Amtsblatt – Segnung der Grabdenkmäler am Friedhof und an der Odenwaldstraße

5 Sandsteindenkmäler dem Zahn der Zeit entrissen

 

Die Gemeinde Laudenbach und der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) haben in einem Gemeinschaftsprojekt zwei denkmalgeschützte Sandsteinkreuze und drei geschichtlich bedeutsame Grabdenkmäler vor dem Verfall gerettet. Zum Abschluss dieser konservatorischen Arbeiten wurden diese Sandsteinmonumente am Sonntag, 18.11., in einer kleinen Feierstunde im Friedhof gesegnet. Bürgermeister Bernd Klein konnte dazu neben vielen Laudenbachern Pfarrer Dariusz Kowalski, Landrat Jens-Marco Scherf und Kreisheimatpflegerin Hedwig Eckert begrüßen. „Es war höchste Zeit“ befand der Bürgermeister, „dem Verfall, dem Zahn der Zeit, Einhalt zu gebieten.“ Der Initiative des HGV sei es zu verdanken, dass diese dringend notwendigen Arbeiten in Angriff genommen wurden. Zweck der gemeinsamen Anstrengungen sei es gewesen, doppelte Arbeit zu vermeiden und ein Stück in Stein gemeißelte Ortsgeschichte zu erhalten. „Das ist uns gut gelungen“, konstatierte der Bürgermeister. Zu den Gesamtkosten von 8.496 € tragen die Gemeinde Laudenbach 4.430 €, der HGV 2.325 € und der Bezirk Unterfranken 1.641 € (Zuschuss) bei.

 

Gerhard Lang, der das Projekt maßgeblich betreute, stellte danach die Frage, die er auch gleich allen Anwesenden beantwortete:

„Was hat es mit diesen Denkmälern eigentlich auf sich?“,

Nun, das älteste dieser Denkmäler, das Friedhofskreuz steht nun bereits seit knapp zweihundert Jahren an diesem Ort, das Wegekreuz an der Odenwaldstraße ebenfalls seit etwa 150 Jahren, die Grabdenkmäler etwas weniger aber dennoch deutlich über einhundert Jahre.

In dieser Zeit waren diese, aus dem hiesigen Sandstein gehauenen, Zeitzeugen Wind und Wetter, Sturm und Regen, Moosen und Flechten sowie all‘ den negativen Umwelteinflüssen der Neuzeit ausgesetzt. Diese Einflüsse haben deutlich Ihre Spuren hinterlassen.

Daher hat es sich der Laudenbacher Heimat- und Geschichtsverein zur Aufgabe gemacht, nicht nur das Schrifttum der Laudenbacher Geschichte sondern eben auch solche Kulturgüter der Nachwelt zu bewahren. Und aus diesem Grundgedanken heraus nahm man sich vor einigen Jahren unter anderem auch dieser steinernen Zeugen der Vergangenheit an.

Die Grabdenkmäler der beiden Schlosspfarrer, welche zum Teil jahrzehntelang an der Mauer des kleinen Friedhofes der Familie von Aufseß von Moosen und Flechten überwuchert wurden, konnten so geborgen, gereinigt und konserviert werden. Hier gilt der besondere Dank den Damen von Aufseß, die bereitwillig hierzu Ihre Zustimmung gaben. Aber auch Bürgermeister, Bernd Klein, ist hier hervorzuheben. Dieser gab, so Lang, die Gedanken des HGV dem Gemeinderat weiter und sorgte so schlussendlich für die Deckung eines nicht unerheblichen Teils der Kosten, welche für diese Unternehmung anfielen.

Bei der „Rettung“ dieser Grabdenkmäler wurde sehr viel Wert auf die sogenannten „konservatorischen“ weniger auf „restauratorische Maßnahmen“ gelegt. Dies bedeutet, dass der Restaurator, Herr Kempf, damit beauftragt wurde, „zu retten, was zu retten ist“ und nicht irgendwelche fehlenden Ecken oder auch Schriften zu ersetzen. Das, was als Substanz noch da war, sollte gesichert und konserviert werden. Die schlecht oder teilweise auch gar nicht mehr lesbaren Texte werden in naher Zukunft noch auf kleinen Täfelchen neben den Denkmälern installiert, so dass deren Bedeutung besser ersichtlich wird.

Die Bedeutung der Denkmäler im Einzelnen lassen sich kurz so zusammenfassen.

Das Friedhofskreuz wurde im Jahre 1823 anlässlich der Einweihung des neuen Friedhofes an dieser Stelle errichtet. Postament und Kreuz wurden von dem Miltenberger Steinhauermeister Kohlmüller hergestellt. Der Korpus Christi hingegen wurde von dem seinerzeit sehr bekannten Bildhauer, Joseph Bonaventura Berg aus Amorbach, geschaffen. Laut noch vorhandener Belege im Kirchenarchiv hatte Berg seinerzeit das Kreuz, nach dessen Anbringung, mit Ölfarbe farbig gefasst. Diese Fassung wurde allerdings irgendwann einmal entfernt und das Kreuz, wohl im Geiste der modernen Zeit, naturfarben belassen.

Was die beiden Grabdenkmäler links und rechts des Friedhofskreuzes betrifft, so handelt es sich hierbei in beiden Fällen um Schlosspfarrer. Zum einen gibt es hier den Grabstein des Ludwig Prudlo, der, 1828 in Breslau geboren, am 4. November 1885 in Laudenbach verstarb. Dieser wird ab 1880 als Schlosspfarrer in Laudenbach geführt, konnte jedoch aufgrund einer schweren Krankheit sein Amt während der letzten etwa 4 Lebensjahre nicht mehr ausüben.

Zum anderen haben wir den Grabstein des Schlosspfarrers Jakob Henn. Dieser wurde im Jahre 1819 in Obernburg geboren. 1846 zum Priester geweiht hatte er diverse Kaplan-, Kurat- und Pfarrstellen inne und kam schließlich 1892 nach Laudenbach. Hier war er bis zu seinem Tode am 24. Januar 1897 tätig.

Betrachtet man weiter drüben nun noch den Grabstein des Schlossgeistlichen Josef Alois Wieland, (dieser verstarb im Jahre 1945 als letzter Schlosspfarrer in Laudenbach) der auf dem Epitaph des bereits 1838 verstorbenen Paters Marzellin Wohlwerk aufgebaut ist, so haben in dem „neuen Laudenbacher Friedhof“ insgesamt vier Schlossgeistliche ihre letzte Ruhestätte gefunden.

An der Treppe zur Gruftkapelle bzw. zum davorliegenden kleinen Friedhof der Familie von Aufseß befindet sich das dritte Grabdenkmal, welches durch konservatorische Maßnahmen vor dem Verfall und damit vor der Vergessenheit gerettet wurde.

Hierbei handelt es sich um den Grabstein der Adligen, Frieda von Rantzau. Sie entstammte dem uralten Reichsgrafengeschlecht derer von Rantzau mit dem ursprünglichen Sitz im norddeutschen Ploen. Frieda Charlotte, die der Mecklenburgischen Linie der Rantzaus zuzuordnen war, blieb unverheiratet und kinderlos. Sie engagierte sich im Wiesbadener Damenheim „Kreidel-Stift“ – einer privaten Stiftung für wenig bemittelte, alte, alleinstehende Damen der besseren Stände – als Stiftsdame. Der Familie von Fechenbach freundschaftlich verbunden, besuchte sie diese hin und wieder in Laudenbach. Bei ihrem letzten Besuch im Dezember 1913 sollte sie hier ihrem Krebsleiden erliegen. Ihr Grabstein wurde über Jahrzehnte hinweg in Zweitverwendung genutzt und erst nach Auflösung des Grabes dieser Zweitnutzung wieder entdeckt.

Schließlich ging Lang nochmals kurz auf das Wegekreuz an der Odenwaldstraße/MIL3 ein. Dieses wurde an der Odenwaldstraße anlässlich des Ausbaus der Bezirksstraße im Jahre 1870 errichtet und stand zunächst weiter unten, etwa auf Höhe der Öttinger’s-Mühle.

Genau 100 Jahre später, also 1970, wurde es anlässlich des erneuten Ausbaus und der Verbreiterung der MIL 3 auf den Parkplatz an der Odenwaldstraße versetzt. Die Beschriftung hier ist weitestgehend erhalten. Dennoch wird auch hier in Kürze eine kleine Schrifttafel mit Hinweisen angebracht werden.

 

In seinem Schlusswort ging HGV-Vorsitzender Horst Eilbacher der Frage nach, warum ein Verein guten Gewissens Geld seiner Mitglieder für die kostspielige Konservierung alter Grabsteine ausgibt, wo doch immer mehr Gräber aufgelöst werden? Seine Antwort: Weil diese alten Grabsteine wie Museumsstücke sind, die uns Einblick geben in die Bestattungstradition unserer Eltern und Großeltern, in unsere Trauer- und Erinnerungskultur, in die Geschichte unserer Dorfgemeinschaft. Grabsteine und Friedhöfe seien Teil unserer Identifikation mit Heimat, mit unserer Geschichte, mit uns selbst. Deshalb werde sich der HGV auch weiterhin für die Pflege dieser Erinnerungskultur und für den Erhalt geschichtlich bzw. künstlerisch bedeutsamer Grabsteine in unserem Friedhof einsetzen.

 

Mit 3 Musikbeiträgen verlieh das Blasorchester des Musikvereins „Harmonie“ der Feierstunde einen würdevoll-festlichen Rahmen.

 

 

Schreibe einen Kommentar