Altbürgermeister und HGV-Ehrenmitglied Alfred Zenger führte zum Tag des offenen Denkmals am 14.9.25 zwei Gruppen von 40 (1030) und 70 Personen (1430) durch die Felsenkeller von Laudenbach. Dank seiner umfangreichen Recherchearbeit konnte er die Besucher mit vielen Informationen rund um die Felsenkeller und die vormaligen Steinbrüche versorgen.
Zenger begann mit einem Rückblick auf das 18./19. Jahrhundert. Damals gab es keine zentrale Wasserversorgung, keinen Strom und auch keine geeigneten Lagermöglichkeiten für Lebensmittel. In einer Zeit ohne Zeitung, Radio, Fernsehen, Telefon dienten die Wirtshäuser als ‚Social Media‘. Damals entstanden die drei Felsenkeller am Hang oberhalb der Odenwaldstraße, weil der Holzfachwerkbau vom Gebäudebau mit Sandsteinen abgelöst wurde, die in Steinbrüchen geschlagen wurden. Die besten Steine waren in der Tiefe, weil sie durch hohen Druck geformt wurden. Den entstandenen Raum in der Erde konnte man bei ca. 8° Celsius ideal als Lagerraum Apfelwein, Sauerkraut, Kartoffeln und Rüben sowie für eingelegte Eier nutzen.

Unter dem Anwesen Zenger liegt der Tunnelkeller, der vom aus Wörth zugezogenen Emil Bauer geschaffen wurde. Er hatte das Gasthaus ‚Zum Hirschen‘ gekauft und versorgte mit den Steinen, die bis zu 5 Meter unter der heutigen Bodenoberfläche abgebaut wurden, den Bau der Wörther Neustadt westlich der heutigen Durchgangsstraße. Durch den Abbau entstand ein ca. 35 Meter langes Gewölbe, aus dem die Steine mit Pferdegespannen abgefahren wurden. Später diente dieses Gewölbe als Felsenkeller des Gasthauses ‚Hirschen‘.
Am Ende des zweiten Weltkrieges brachten Teile der Laudenbacher Bevölkerung sich und ihre Lebensmittel darin vor den einrückenden Amerikanern in Sicherheit. Durch Zengers Eigeninitiative (Einebnen und Pflastern) ist dieser Keller heutzutage der am besten begehbare Felsenkeller.
Den ersten Steinbruch in Laudenbach betrieb 1872 der damalige Wirt der ‚Krone‘ Wilhelm Vonderlinden. Er errichtete mit den dort gebrochenen Steinen ein Brauhaus hinter der ‚Krone‘. Da er danach insolvent war konnte er der Gemeinde weder das Steinbruchgebiet noch eine Entschädigung für den zerstörten Reiterspfad bezahlen. Deshalb ist der ‚Krone‘-Keller auch heute noch Gemeindeeigentum. Der Reiterspfad war bis zu Beginn der 1930er Jahre nicht nutzbar. Dann wurde damals im 3. Reich über ein Projekt ‚Kraft durch Freude‘ die Brücke zum Stefansberg und ein Feldwegausbau in Richtung Giebel-Weinberg (ohne Eigentumserwerb und amtliche Genehmigung) gebaut. Der Zugang zum ‚Krone‘-Keller liegt nun unterhalb dieser Brücke.
Die Inhaber des Lebensmittelgeschäfts im Krone-Gebäude, Familie Link, nutzten den ‚Krone‘-Keller in den 50er und 60er Jahren als Kühlkeller. Karl Eduard und Gabriele Breitenbach, die langjährigen Wirte der ‚Krone‘, veranstalteten auch Silvester-Events in dem Keller. Sie servierten themenbezogen Speisen und boten das Theaterstück ‚Dinner for one‘ mit Helmut Krätzel als Kellner dar.
Der ‚Anker‘-Keller wurde – laut Inschrift im Türsturz – 1866 von Eduard Arnold, dem damaligen Wirt des ‚Anker‘, erbaut. Dieser Keller war von Anfang an im Besitz des ‚Ankerwirts‘ und gehört auch heute noch zum Gasthaus Anker. Alle Felsenkeller-Nutzer hatten eigene Apfelkeltereien und nutzten diese auch als Apfelweinlagerstätten.
Danach führte Alfred Zenger die Gruppen noch zum Keller von Kurt Weidner, wo bis heute der Apfelwein des Obst- und Gartenbauvereins gelagert wird. Danach beendete Zenger die Führung und erhielt seinen hochverdienten Applaus. Im Anschluss begab man sich noch zum Öbbelwoi-Fest des OGV in der Bachgasse und ließ die gewonnenen Eindrücke bei einem Glas Äppler auf sich einwirken.